(England, Spanien, Österreich, Schweiz und Slowenien)
präsentiert. Dazu gab es Exkursionen zu Berliner Haft-
anstalten, um innovative Praxisansätze kennenzulernen
(etwa die Vergabe steriler Einwegspritzen an drogen-
abhängige Gefangene in der JVA für Frauen in Lichten-
berg). 180 Fachkräfte aus den Justizvollzugsanstalten
und Gesundheitsdiensten außerhalb der Gefängnis-
mauern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
diskutierten über Strategien der Gesundheitsförderung
für Gefangene und Bedienstete. Viele Diskussion zeigten,
dass in mehreren Bereichen – insbesondere der Drogen-
und AIDS-Hilfe – die international geforderte Gleichheit
der Gesundheitsversorgung drinnen und draußen nicht
umgesetzt wird. Behandlungen und Gesundheitsange-
bote wie dauerhafte Substitutionsbehandlungen oder
erprobte, erfolgreiche und bewährte Schutzmöglich-
keiten vor HIV/Hepatitis C-Viren für Drogenabhängige
erreichen die Gefangenen nicht in dem erforderlichen
Ausmaß.
5.4 Beratung und Behandlung
Deutschland ver fügt über ein sehr differenziertes
Versorgungssystem für drogenkonsumierende und
-abhängige Menschen und deren Angehörige. D azu
gehören niedrigschwellige Angebote wie Drogenkon-
sumräume und Kontaktläden sowie bundesweit etwa
1.000 ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen,
die überwiegend auf kommunaler Ebene arbeiten. Die
Suchtberatung nach § 16 SGB II ist ein spezieller Teil
dieses Angebots (vgl. E 1.2). Niedergelassene Ärzte und
Krankenhäuser leisten ebenfalls einen wertvollen Bei-
trag zur Versorgung von Menschen mit drogenbeding-
ten Schwierigkeiten. Darüber hinaus sind die Psychiatrie
(vgl. E 5), die Einrichtungen der Medizinischen Rehabili-
tation (vgl. E 2, E 3), Einrichtungen der Eingliederungs-
hilfe sowie der Wohnungslosen- und Gefährdetenhilfe
auf der Grundlage des SGB XII (§§ 53 ff. und §§ 67 ff.)
und die Selbsthilfe (vgl. F) in der Versorgung tätig.
Vorgestellt:
Birgit Wichelmann-Werth,
Leiterin des „Café Fix“
mit medizinischer Ambulanz
„Jeder Mensch hat die Möglichkeit und das Recht sich zu
entwickeln.“ Das ist Birgit Wichelmann-Werth wichtig. Dass
auch drogenabhängigen Menschen die Chance gegeben
wird, sich zu entwickeln, dafür engagiert sich Birgit Wichel-
mann-Werth seit 20 Jahren. Lange Jahre hat sie eine Drogen-
beratungsstelle in Frankfurt am Main geleitet und dort direkt
mit Drogenabhängigen und ihren Familien gearbeitet. Auch
als Streetworkerin in der offenen Drogenszene war sie unter-
wegs und hat dor t die „unfassbare Verelendung“ der Drogen-
abhängigen kennengelernt. „Das hat mich dazu gebracht,
die Verantwortung für eine szenenahe Einrichtung der Dro-
genhilfe zu übernehmen, dem Kontaktladen „Café Fix“ mit
medizinischer Ambulanz“, berichtet sie.
Das „Café Fix“ des Vereins Arbeits-und Erziehungshilfe e. V.
(vae) ex istiert seit 1990 und ist die größte niedrigschwel-
lige Drogenhilfeeinrichtung im Frankfurter Bahnhofsviertel.
Sie umfasst den Bereich Überlebenshilfe, die medizinische
Ambulanz, die Sozialberatung und den Bereich Arbeit und
Bildung. Insgesamt arbeiten hier 30 Personen, Ärzte, Sozial-
arbeiter, Arbeitserzieher u. a. Täglich kommen mehrere Hun-
dert drogenabhängige Menschen hierher, um beraten und
behandelt zu werden. Da verwundert es nicht, dass sie Ihre
tägliche Arbeit so beschreibt: „Der größte Teil meines Arbeits-
tages besteht aus Kommunikation.“ Kommunikation mit den
Fachkräften der Einrichtung aus den Bereichen Sozialarbeit
und Arbeitserziehung, dem leitenden Arzt der medizinischen
Ambulanz, den Klientinnen und Klienten sowie den Fachkräf-
ten aus anderen Einrichtungen und der Polizei.
„Ich finde, es gibt nichts Interessanteres als Menschen und
die Art und Weise, wie sie sich miteinander und zueinander
verhalten“, bekennt die studierte Soziologin, Politikwissen-
schaftlerin und Psychologin. Auch privat ist sie gerne mit
Menschen zusammen, ganz besonders mit ihrem Sohn, mit
dem sie am liebsten ihre freie Zeit verbringt. Sie hört aber
auch gern klassische Musik, besonders die Klavierkonzer te
von Beethoven oder die Symphonien von Bruckner oder
Mahler.