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C | Suchtstoffe und Suchtformen | Medikamente
sowie den Sozialversicherungen getragen wird. Dies
steht prinzipiell auch allen von Medikamentenabhän-
gigkeit Betroffenen offen. Allerdings sind spezifische
Beratungs- und Behandlungsangebote für Medika-
mentenabhängige bislang selten. Eine Ursache dafür
dürfte darin liegen, dass Medikamentenabhängige dem
Suchthilfesystem eher skeptisch gegenüberstehen und
deshalb entsprechende Angebote auch weniger nach-
gefragt werden. Auf der anderen Seite sind die Bera-
tungsstellen oft zu wenig auf die spezifischen Anfor-
derungen der Beratung von Medikamentenabhängigen
vorbereitet und entsprechend qualifiziert. Dies kann nur
durch Veränderungen vor Ort und eine bessere Koope-
ration aller Beteiligten verbessert werden.
Von Seiten der Bundesregierung wurden Initiativen zur
Verbesserung der Informationsmöglichkeiten von Ärz-
tinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern
sowie insbesondere von Patientinnen und Patienten
gest ar tet. Der Betäubungsmittelsachverständigen-
ausschuss hat sich zum Beispiel im Januar 2008 mit
Benzodiazepinen befasst und sich für die Aufnahme
von Zulassungsau?agen ausgesprochen. Diesen Empfeh-
lungen zufolge erhalten Fachkreise und Anwender
über Fach- und Gebrauchsinformationen zielgruppen-
orientierte Informationen sowie einen Hinweis auf das
Abhängigkeitspotenzial.
Den Bürgerinnen und Bürgern stehen die wichtigen
amtlichen Angaben zu Medikamenten im Arzneimittel-
Informationssystem der deutschen Zulassungsbehörden
auf dem Portal „PharmNet.Bund.de“ kostenfrei zur Ver-
fügung. Das Angebot, das auch Gebrauchs- (Packungs-
beilagen) sowie Fachinformationen und zum Teil öffent-
liche Beurteilungsberichte mit weiteren Informationen
für Zulassungen von Arzneimitteln umfasst, wird konti-
nuierlich ausgebaut.
Das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im
Gesundheitswesen (IQWIG) bietet seit Februar 2006 auf
seiner neuen Internetplattform unabhängige, evidenz-
basierte und geprüfte Informationen an. Die Entwick-
lung der Plattform erfolgt in enger Abstimmung mit
anerkannten Fachleuten, Patientenvertreterinnen und
-vertretern und der Patientenbeauftragten der Bundes-
regierung.
Vorgestellt:
Dr. Ernst Pallenbach,
Fachapotheker für klinische
Pharmazie und nebenberu?ich
aktiv im Suchtpräventions-
bereich mit Schwerpunkt
Medikamentenabhängigkeit
„Auch ältere Menschen haben das Recht, nicht zugedröhnt
durchs Leben zu gehen“, sagt Dr. Ernst Pallenbach, der in sei-
ner Freizeit gern mit dem Fahrrad weite Bergetappen zurück-
legt. „Auch sie profitieren von mehr Lebensqualität.“
Neben seiner Arbeit als Krankenhausapotheker in Villingen-
Schwenni ngen beschäftigt sich der Pharmazeut mi t der
Arzneimittelabhängigkeit. Er veranstaltet Fortbildungen für
Ärzte, Apotheker und medizinische Laien und organisier t Prä-
ventionsworkshops an Schulen. Und er schreibt Bücher zum
Thema.
Sein wichtigstes Projekt derzeit ist der sanfte Entzug von
benzodiazepinhal tigen Medikamenten, von denen beson-
ders ältere Menschen abhängig sind.
„Medikamentenabhängigkeit wird zu wenig wahrgenommen
und die vorhandenen Hilfen zu wenig genutzt“, sagt Pallen-
bach. Ihn hat vor allem die Frage beschäftigt, wie man die
Betroffenen besser erreichen kann.
„Manche Ärzte geben dem Druck der Patienten nach und
verschreiben ihnen die Mittel oft über Jahrzehnte. Gerade
bei den Niedrigdosisabhängigen wird das nicht als Problem
angesehen. Aber auch die Apotheker sind oftmals zu zurück-
haltend, wenn sie einen Missbrauch oder Dauergebrauch
bemerken“, so Pallenbach. „Die Gefahren für die Patienten
werden oft unterschätzt.“ Denn die Benzodiazepine führen
nicht nur zu Gangunsicherheit und dadurch zu Stürzen, sie
verringern auch die Leistungsfähigkeit, führen zu Vergess-
lichkeit , einer veränderten Schlafstruktur und verstärken
Schlafapnoe. „Die Auswirkungen des Entzugs werden dage-
gen gerade bei älteren Patienten oft überschätzt “, meint
Pallenbach. „Der Entzug ist zwar vorübergehend unange-
nehm, aber die Vorteile eines benzodiazepinfreien Lebens
überwiegen deutlich. Es ist ein Gewinn an Lebensqualität.“
Das möchte er den betroffenen Patienten vermitteln und sie
davon überzeugen, sich für ein Leben ohne Benzodiazepine
zu entscheiden. Der erste Schritt hierzu ist ein persönliches
Gespräch mit den Betroffenen, um mit ihnen über die