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durchgeführt. In einer vorläufigen Auswertung wurde
deutlich, dass die kombinierte Nutzung von psychotro-
pen Medikamenten und Alkohol eine in Deutschland
quantitativ bedeutsame Risikogruppe betrifft.
Aus der Berliner Altersstudie, die selbstständig, aber
nicht unbedingt allein lebende Menschen in hohem
Alter interdisziplinär und längsschnittlich untersucht,
geht nach Angaben des vierten Altenberichts her vor,
dass – bezogen auf 70-Jährige und Ältere – 24,6 % mit
Psychopharmaka behandelt wurden, davon allein 13,2 %
mit Benzodiazepin-Anxiolytika. 90 % nahmen diese als
Dauermedikation, d. h. länger als 6 Monate und etwa
50 % täglich ein.
Daten aus neueren Untersuchungen (Möglichkeiten
und Grenzen selbstständiger Lebensführung in Privat-
haushalten bzw. in Heimen: MUG III 2005 und IV 2006)
belegen für eine Teilstichprobe, dass Benzodiazepine
von 9,3 % der untersuchten über 60-jährigen allein-
lebenden Menschen und von 10 % der Heimbewohner
eingenommen wurden, davon in 90 % der Fälle länger
als vier Wochen. Im Vergleich zu den Verhältnissen bei
der Voruntersuchung 1994/95 (16 % der Heimbewoh-
ner) ist ein Rückgang festzustellen.
Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer Benzo-
diazepinabhängigkeit nennt der vierte Altenbericht
neben früherer Suchterfahrung, langer Behandlungs-
dauer und Dosissteigerung auch psychosoziale Belas-
tungen. Besonders bei älteren Menschen ist an Ein-
samkeit nach Partnerverlust, Einschränkungen sozialer
Beziehungen und Aktivitäten durch Multimorbidität,
Belastung durch P?ege des Partners, Schla?osigkeit und
chronische Schmerzen zu denken.
Mit neuen Wohnformen und dem Modellprogramm
Mehrgenerationenhäuser fördert die Bundesregierung
Strukturen, die Kommunikation und soziale Teilhabe
begünstigen und somit Risikofaktoren entgegenwirken.
Auch der am 29. November 2007 vorgestellte Aktions-
plan des Bundesministeriums für Gesundheit zur Ver-
besserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in
Deutschland sieht Maßnahmen und ein Forschungspro-
jekt vor, mit dem die AMTS in Alten- und P?egeheimen
analysiert, die Entwicklung von Interventionsstrategien
abgeleitet und deren Umsetzung in einem Modellpro-
jekt erprobt werden sollen.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen psychischen
und psychosomatischen Störungen und Medikamen-
tenmissbrauch bzw. -abhängigkeit. Anders als bei alko-
holbezogenen Störungen ist davon auszugehen, dass
psychische Störungen dem Medikamentenmissbrauch
häufiger vorausgehen, als dass diese sich in Folge des
Substanzmissbrauchs entwickeln.
Die volkswirtschaftlichen Folgekosten der Medikamen-
tenabhängigkeit werden derzeit auf ca. 14 Milliarden Euro
geschätzt (Extrapolierung der Bundesärztekammer).
Über den aktuellen Kenntnisstand der Forschung sowie
über mögliche Lösungsansätze und Strategien für Wege
aus der Sucht diskutierten Betroffene, Wissenschaftler,
Ärzte, Apotheker, Selbsthilfegruppen und Krankenkas-
sen auf der Fachtagung: „Medikamentenabhängigkeit:
gemeinsam handeln!“ am 23. April 2007. Dieser Heraus-
forderung für das deutsche Gesundheitswesen stellten
sich die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V., die
Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Bundes-
verband der Betriebskrankenkassen. Die Drogenbeauf-
tragte der Bundesregierung unterstützt Bemühungen,
neue Wege und Lösungen für die Behandlung und Prä-
vention zu finden. Studien und Projekte können dazu
einen Beitrag leisten. Derzeit wird z. B. im Auftrag des
Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte
das Forschungsprojekt „Entwicklung und Durchführung
eines Dokumentationssystems zum Medikamenten-
missbrauch zur Evaluierung von regulatorischen Maß-
nahmen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Raschke
(Institut für interdisziplinäre Suchtforschung, Hamburg)
durchgeführt.
Eine sorgfältige Diagnostik und Beratung sind wichtig,
um das Problem der Medikamentenabhängigkeit früh-
zeitig zu erkennen und passend zu reagieren. Ärztin-
nen und Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern
kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Sie kon-
trollieren den Zugang zu den Medikamenten mit Miss-
brauchs- und Abhängigkeitspotenzial.
Ziel aller Bestrebungen ist es, medikamentenabhängige
Menschen frühzeitig zu erreichen und ihnen eine adä-
quate Hilfe in den Beratungs- und Behandlungseinrich-
tungen der Suchtkrankenhilfe und der medizinischen
Versorgung zu vermitteln.
Deutschland verfügt über ein breites Angebot an Sucht-
hilfeeinrichtungen, das von Ländern und Kommunen