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C | Suchtstoffe und Suchtformen | Alkohol
um ihre Produkte zu vermarkten. Beispiele hierfür sind
jugendliche Musik, Urlaubsstimmung, modische Klei-
dung und ein fröhliches, erfolgreiches Umfeld. Auch
wird gerne mit sportlichem, sozialem oder sexuellem
Erfolg geworben, sofern dies in den jeweiligen Ländern
erlaubt ist. Werbung, die solche jugendlichen Images
verwendet, erzielt bei Jugendlichen eine höhere Akzep-
tanz. Den größten Zuspruch bei Jugendlichen findet
Werbung, die humoristische Elemente verwendet.
Laut ELSA zeigen sieben wissenschaftliche Langzeit-
studien aus den USA und Belgien, dass das Ausmaß, in
welchem Jugendliche Werbung und Medien ausgesetzt
sind, ihren Alkoholkonsum beein?usst: je mehr Alkohol-
werbung sie sehen, desto höher ist die Wahrscheinlich-
keit, dass sie mit dem Konsum von Alkohol früher begin-
nen, desto höher ist die Menge, die sie trinken und
auch die Menge, die sie bei einer Gelegenheit trinken.
Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass
diese Jugendlichen später ein riskantes Konsummuster
entwickeln.
Ein weiteres Ergebnis der ELSA-Studie ist, dass keine wis-
senschaftlichen Belege für die Effektivität von Selbstre-
gulierungsformen der kommerziellen Werbung existie-
ren. Eine Auswirkung auf die Regulierung der Inhalte als
auch auf die Reduzierung des Umfangs von Werbung
konnte nicht bewiesen werden. Es gibt jedoch sehr wohl
dokumentierte Erfahrungen, die zeigen, dass Selbstre-
gulierung diejenige Werbung nicht verhindert, welche
Ein?uss auf junge Menschen ausübt.
Das ELSA-Projekt ist die bislang umfangreichste Analyse
über den Ein?uss von Alkoholwerbung auf Kinder und
Jugendliche in Europa und hat dadurch einen wichtigen
Beitrag für die Alkoholpolitik in Europa geleistet.
2.5 Forschung: Projekte der vier deutschen
Forschungsverbünde zur Suchtforschung
In den Forschungsverbünden zur Suchtforschung des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
kooperieren Wissenschaftler aus verschiedenen Diszipli-
nen (u. a. Psychiater, Psychologen, Sozialmediziner und
Naturwissenschaftler), die in einem regionalen Umfeld
gemeinsam mit Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Psy-
chologen, Psychotherapeuten, Drogenberatungs- und
anderen Einrichtungen der Suchthilfe anwendungso-
rientierte Forschungsprojekte durchführen. Schwer-
punkte des Arbeitsprogramms sind zum einen die
verbesserte Information der Abhängigen und deren
Angehörigen und zum anderen eine suchtspezifische
Aus- und Fortbildung von Ärzten und Therapeuten zum
Arbeitsprogramm der Verbünde.
(mehr zu den Forschungsverbünden finden Sie unter
C 1.5.2.)
Forschungsverbund Baden-Württemberg
Für den Bereich der Prävention alkoholbezogener Stö-
rungen ist ein Projekt besonders relevant, das auf die
Schlüsselstellung niedergelassener Hausärzte und Inter-
nisten bei der Entdeckung und frühzeitigen Behandlung
gefährlichen oder schädlichen Alkoholkonsums setzt
(Prof. Härter, Dr. Berner, Freiburg). Das bereits in der ers-
ten Förderperiode erarbeitete Qualitätsmanagement-
system, bestehend aus einer Versorgungsleitlinie, Scree-
ninginstrumenten und Dokumentationsmaterialien,
wurde zwischenzeitlich überarbeitet und unter Berück-
sichtigung von Qualitätsmerkmalen für Lernsoftware
in eine elektronische Form (
www.alkohol-leitlinie.de
)
überführt. Diese Internetplattform bietet sowohl für
Betroffene als auch deren Angehörige wie auch Exper-
ten umfassende Informationen zu alkoholbezogenen
Störungen. Die Evaluation der Fortbildungsmodule im
Rahmen einer Pilotstudie zeigen sowohl in formaler
(z. B. Benutzerfreundlichkeit) wie inhaltlicher Hinsicht
positive Ergebnisse. Die Ergebnisse der sich hieran
anschließenden Studie zur Überprüfung unterschied-
licher Transferstrategien in die Routineversorgung wer-
den für 2008 erwartet.
Der Bereich „Therapieforschung“ wird in erster Linie
durch das „Project PREDICT“ geprägt. Die Datensamm-
lung konnte inzwischen abgeschlossen werden. Aktu-
ell läuft die Aufarbeitung und Auswertung der Daten.
Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres 2008 vorgestellt
und publiziert werden. Für das Psychotherapieprojekt
sind insbesondere die bislang erfolgten Transferleistun-
gen in die Praxis zu erwähnen (Schulung und Supervi-
sion niedergelassener Therapeuten).