33
B | Europäische und internationale Zusammenarbeit | Internationale Zusammenarbeit
die Integration der Sichtweisen der Zielgruppen in
Strategie- und Konzeptentwicklungsprozesse zu HIV-
Behandlung, P?ege und Betreuung;
die Unterstützung und Ausbau von Service- und
Beratungsstellen für Drogenkonsumenten, die Harm
Reduction Maßnahmen wie Spritzentausch und Sub-
stitutionstherapie anbieten;
die Weiterentwicklung von systematischem Monito-
ring und Evaluation;
Drogenmissbrauchsprävention für Kinder und
Jugendliche;
Maßnahmen zur Förderung der kommunalen Drogen-
politik mit partizipativen Ansätzen.
Der Anbau illegaler Drogenp?anzen wie Koka und
Schlafmohn resultiert aus einer Vielzahl von Entwick-
lungsproblemen: Armut, gewaltsame Kon?ikte, schwa-
che staatliche Institutionen, mangelnde soziale und
wirtschaftliche Infrastruktur sowie fehlende langfris-
tige Alternativen zur Sicherung des Lebensunterhaltes
von kleinbäuerlichen Familien. Ein besonders anschau-
liches Beispiel bietet die jüngste Entwicklung in Afgha-
nistan: Nach Schätzungen von UNODC wurde im Jahr
2007 in Afghanistan auf einer Fläche von 193.000 ha
Schlafmohn angebaut – so viel wie nie zuvor. Rund 10 %
der afghanischen Bevölkerung ist in den Anbau invol-
viert. Damit produziert Afghanistan auf „nur“ 4,3 % der
ackerbaulichen Nutz?äche Schlafmohn für die Weiter-
verarbeitung zu 8.200 Tonnen Opium. Das entspricht
93 % der weltweiten Produktion im vergangenen Jahr.
Die Dominanz der Drogenökonomie in manchen Lan-
desteilen blockiert eine nachhaltige Entwicklung und
ist zugleich eine der Ursachen wie auch Folge von
Gewalt und Kon?ikten. Über 75 % der Drogenanbau-
?äche Afghanistans liegt in den Südprovinzen Helmand
und Kandahar – hier wird das Ursachen-Folgen-Ge?echt
zwischen Kon?ikt und Drogenanbau besonders deut-
lich.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt sich
gemeinsam mit den Partnerländern und internationalen
Organisationen konsequent für die Durchsetzung von
Maßnahmen einer entwicklungsorientierten Drogen-
kontrolle ein. Ziel ist es, die Drogenproduzenten bei der
Verwirklichung alternativer sozialer und ökonomischer
Lebensperspektiven zu unterstützen, damit diese lang-
fristig ihre ökonomische Abhängigkeit vom Drogen-
anbau reduzieren können. Zudem werden – vielfach im
Zusammenspiel mit der Prävention von HIV-Übertragun-
gen – Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenmiss-
brauchs in betroffenen Partnerländern unterstützt.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammen-
arbeit und Entwicklung fördert hierzu seit Anfang der
80er Jahre Projekte der zwischenstaatlichen Zusammen-
arbeit mit Partnerländern in Asien und Lateinamerika
sowie mit internationalen Institutionen wie der UNODC,
der Institution der Vereinten Nationen zur Bekämpfung
illegaler Drogen und internationaler Kriminalität.
Das Ministerium hat das Sektorvorhaben „Entwicklungs-
orientierte Drogenkontrolle – EOD“ ins Leben gerufen,
das von der deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit durchgeführt wird und Beratungs-
leistungen erbringt.
2.2.1 Entwicklungsorientierte Drogenkontrolle
Bei der entwicklungsorientierten Drogenkontrolle ver-
folgt die Bundesregierung den Ansatz der so genann-
ten Alternativen Entwicklung. Für die Drogenanbau-
gebiete in Ländern wie Kolumbien, Peru, Afghanistan
oder auch Laos ist dieser Entwicklungsansatz sehr eng
mit Instrumenten der Armutsminderung, Ernährungs-
sicherung, der ländlichen Entwicklung, lokaler und
regionaler Wirtschaftsförderung und Stärkung parti-
zipativer und rechtsstaatlicher Strukturen verknüpft.
Alternative Entwicklung zielt auf die wirtschaftliche,
politische und soziale Entwicklung der betroffenen
Gebiete und reagiert auf den tatsächlichen Bedarf an
Unterstützung. Zu den Maßnahmen gehören die Förde-
rung der Landwirtschaft, der Verkehrsinfrastruktur, die
Stärkung von Bauernorganisationen, die Formalisierung
von Landbesitz, die Verbesserung staatlicher Dienste in
Bereich Gesundheit und Bildung und die Stärkung der
Handlungsfähigkeit dezentraler staatlicher Strukturen.
Auf nationaler Ebene wird Drogenbekämpfung in den