A | 2007 – Ein bewegtes Jahr für die Sucht- und Drogenpolitik
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und besonders anfällig für gesundheitliche Schädigun-
gen sind.
Dieser Trend muss aufgehalten werden. Die Bundesregie-
rung wird daher ihre Präventionsaktivitäten in enger
Abstimmung mit den Ländern verstärkt fortsetzen. Bun-
desweite Projekte, wie das Bundesmodellprojekt „HaLT“
oder die „Na toll!“-Kampagne der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA), sind nur zwei Bei-
spiele für erfolgreiche Projekte, die sich an Kinder und
Jugendliche richten.
Nicht zu unterschätzen sind auch Wirkung und Ein?uss
der Alkoholwerbung auf diese Zielgruppe. Mit ihren
Werbebotschaften spricht die Werbung nur allzu oft
jugendliche Interessen und Lebenswelten an. Daher ist
es wichtig, Werbung für alkoholische Getränke stärker
zu kontrollieren. Die Selbstkontrolle der Alkoholwirt-
schaft in Deutschland war bislang nicht ausreichend.
Ein leider ebenfalls oft unterschätztes Problem ist der
Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Alkoholkon-
sum von werdenden Müttern ist die häufigste Ursache
für nicht genetisch bedingte kindliche Fehlbildungen
bei Neugeborenen. Schon geringe Mengen können
genügen, um Nerven- und Gehirnschädigungen beim
Ungeborenen hervorzurufen.
In Deutschland sind etwa 10.000 Neugeborene pro
Jahr durch den Alkoholkonsum ihrer Mütter während
der Schwangerschaft geschädigt. Ca. 4.000 von ihnen
leiden unter der schwersten Form, dem fetalen Alkohol-
syndrom (FASD), einer körperlichen, geistigen und see-
lischen Behinderung.
Es ist der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ein
wichtiges Anliegen, dass dieses Thema die notwendige
öffentliche Aufmerksamkeit bekommt und dass weitere
präventive Maßnahmen angestoßen werden, um diese
vermeidbare lebenslange Schädigung zu verhindern.
Die Drogenbeauftragte begrüßt Bestrebungen der Spiri-
tuosenindustrie, auf freiwilliger Basis Warnhinweise für
Schwangere auf den Alkoholika-Etiketten abzudrucken.
Diese können dazu beitragen, dass Schwangere ihren
Alkoholkonsum überdenken.
Eine gesetzliche Maßnahme zur Förderung des Nicht-
trinkens im Straßenverkehr und zur Reduzierung alko-
holbedingter Verkehrsunfälle war das am 1. August
2007 in Kraft getretene Gesetz zur Einführung eines
Alkoholverbots für alle Fahranfängerinnen und Fahr-
anfänger, die unter 21 Jahre alt sind oder sich noch in
der Probezeit befinden. Grund für diese Maßnahme
war die Erkenntnis, dass für jeden vierten Autounfall
unter Alkoholein?uss Menschen zwischen 18 und 24
Jahren verantwortlich sind. Unerfahrenheit im Straßen-
verkehr und die Wirkung von Alkohol treffen bei ihnen
als Unfallrisiken zusammen. Es ist zu erwar ten, dass
das Alkoholverbot eine positive Wirkung auf die Unfall-
statistik haben wird.
Um ein breiteres Bewusstsein für die Gefahren alkohol-
bedingter Schäden zu schaffen, hat die Drogenbeauf-
tragte der Bundesregierung im Juni 2007 die Schirmherr-
schaft für die Aktionswoche „Alkohol – Verantwortung
setzt die Grenze!“ übernommen. Anliegen der von der
Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und der
BZgA initiierten Aktion war es, in vielen verschiedenen
Lebensbereichen einen Anstoß zum Nachdenken über
den Umgang mit Alkohol zu geben. Durch die insge-
samt 2000 Veranstaltungen an 700 Orten gelang es
erfolgreich, eine große Z ahl von Menschen aus den
unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen anzu-
sprechen.
Um die bisherigen Erfolge in der Alkoholprävention
weiter voranzutreiben und zu stärken, wird die Drogen-
beauftragte der Bundesregierung ein Nationales Aktions-
programm zur Alkoholprävention auf den Weg bringen.
Entsprechende Empfehlungen werden derzeit von den
Gremien des Drogen- und Suchtrats ausgearbeitet und
im Laufe des Jahres 2008 innerhalb der Bundesregie-
rung abgestimmt. Sie sollen präventive und strukturelle
Maßnahmen zur Reduzierung des missbräuchlichen
Alkoholkonsums beinhalten.
Medikamentenabhängigkeit reduzieren
In Deutschland sind schätzungsweise 1,4–1,5 Millio-
nen Menschen medikamentenabhängig, davon 70 %
Frauen. Ein ganz überwiegender Teil der Betroffenen
ist von Benzodiazepinen abhängig. Anders als Drogen-
oder Alkoholsucht verläuft die Abhängigkeit von Medi-
kamenten unauffällig, diskret und kaum wahrnehmbar